INNENMAß ist eine Sammlung gegenwartsbezogener Lyrik, verdichtet in drei Strophen pro Text.
Jedes Gedicht spiegelt Beobachtungen der größeren Welt und des nahen Umfelds wider – aus dem Innenleben heraus mit poetischem Filter und dichterischem Maß.
Folgende Auswahl sind Teile eines erscheinen Lyrikbands.
Des Februars letzter Tag
Fast ein ganzer Mond
und die Sterne fallen vom Himmel
im Nahen Osten, dort wo der Mond nie ganz voll ist
dafür auf blurotem Samt gebettet
ein Stern wird nie fallen
David gegen Goliath
Bei uns ist es ruhig
der Frühling will kommen
nachts fliegen sogar die Fledermäuse
sie schlafen nicht, sind ja auch keine Ratten
wir sehen den selben Mond
natürlich, sonst wüsste ich es ja nicht
den Nachrichten kann man nicht trauen
nicht mehr, manchmal doch, leider,
muss man ihnen glauben
Nachts spüren wir, wie die Erde bebt
doch wir sehen nichts
es ist zu dunkel
aber wir wissen, sie sind da irgendwo
unter uns und über uns
wie nur können sie sehen und wir nicht
nicht die Fledermäuse, die Ratten
und der Mond, der sieht alles,
auch wenn er nicht will,
vor allem wie die Sterne fallen
vom Himmel über den nahen Osten,
der viel näher ist als einfach nur Ost.
Aussichtsprotokoll
Wenn ich groß bin,
mach ich was ich will
so, so, machst Du, was DU willst
Wer weiß schon, was in 5 Jahren ist
außer den Häusern auf den Baustellen
Die planen mit ihrer Fertigstellung und warten
und schätzen und berechnen
mit jedem Regentag und Krankenstand wird es länger
aber was passieren wird, ist klar
Ich tue mich mit einem Monat schwer
meist verdränge ich Details oder lass sie mich gar nicht erst wissen
damit ich nichts vergessen kann oder erwarten
geradeso ein halbes Jahr bin ich im Stande zu denken, schemenhaft
dann geschieht ein Irgendetwas
ich beginne von Neuem, Gedanken um die Monate zu weben
wie Lichtfäden aus Nanoideen, Mikrowünschen und Miniaturvisionen
meiner immer gleichen Gedanken
in wieder anderen Gedankengängen
Doch wenn ich groß, mach ich was will –
ohne meine Gedanken vorher zu fragen.
Weltenbummler
Die Arktis wollte ich nie bereisen
dachte ich einmal
bis ich 44 Jahre alt wurde
da hatte ich genug
Menschen getroffen,
deren Gefühlswelt weit unter minus 37 Grad liegt
Die Arktis war also zu mir gekommen
sie war eigentlich immer in der Nähe
wie praktisch, warum also in die Ferne schweifen
Oma wäre stolz auf mich, wenn sie wüsste
wie weit ich gereist bin
Die Arktis ist ein Teil von mir geworden
aber zum Glück ich nicht von ihr
was schade ist, denn ich will so gern
eins sein mit der Welt.